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22
Februar

Fastenzeit

Ab Aschermittwoch die Fastenzeit nutzen, ist irgendwie im Trend. Da machen die einen Süßigkeitenfasten, andere lassen für 7 Wochen das Fernsehen sein. Ein ganz abgefahrener Bekannter besinnt sich der ursprünglichen kirchlichen Tradtition und ernährt sich von Brot, Wasser und Obst.

Ich habe einen Sieben-Wochen-Kalender der Fastenaktion der evangelischen Kirche 2012 geschenkt bekommen. Titel: Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz.

„Was gestern gut war, muss morgen überboten werden. Die Skala nach oben ist offen. Jeder könnte besser, schneller, attraktiver sein. … Das Bekenntnis zu Grenzen und Schwäche käme einer Bankrotterklärung gleich. … Gut genug! lautet die Botschaft. Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie`s gut genug sein lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo es reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen, mit dem Gegebenen, dem Geschenkten.“

Was für eine herausfordenernde, gegen den Zeitgeist gesetzte Idee! Ich fühle mich sehr wohl damit, es einfach mal gut genug sein zu lassen. Auf in das Abenteuer Gut genug!

www.7-wochen-ohne.de

13
Februar

Ohne Grenzen

Ich habe erst jetzt verstanden, was Kapitalismus heißt. Früher wurde uns der Kommunismus und vor allem der Sozialismus madig gemacht. Heute überleg ich ernsthaft, ob der Sozialismus nicht menschlicher ist als der Soziale Kapitalismus.

Kapitalismus – heißt das nicht
… bestimmte große Unternehmen werden in wirtschafltich schwierigen Zeiten staatlich gefördert?
(Warum werden eigentlich nie mittelständische Unternehmen gefördert, obwohl sie nachweislich das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind?)

… Banken machen großartig Kohle, aber wenn sie sich verspekulieren, zahlt die Gemeinschaft?
(Was machen die Banken eigentlich mit ihren Gewinnen – werden die nicht als Rücklagen für schlechte Zeiten gehortet?)

… mehr Gewinn, egal ob auf Kosten der Gesundheit, der Lebensqualität, der Umwelt?
(Sobald einer androht, mehr als zehn Arbeitsplätze zu vernichten, ist sowieso alles erlaubt, oder?)

Mein privater persönlicher Kapitalismus schlug jetzt zu: Der Vermieter meiner Firmenräume rief mich an, um mich zu fragen, wie es mir geht. Er bot mir sogar Unterstützung in einem Haftpflichtfall an, in dem sich ein Malermeister weigert, mir ein neues Firmenschild zu sposern, dass einer seiner Mitarbeiter nachweislich mächtig beschädigt hatte. Und erst dann vertraute mir dieser Vermieter den wahren Grund seines Anrufs an: Er muss – leider, denn schließlich kann er ja nicht draufzahlen! – die Miete für meine Räumlichkeiten erhöhen. Um schlappt 90%. Wenn ich das nicht akzeptiere, muss er mir leider, noch mehr leider, kündigen. Das sei doch nur mehr als logisch.

Ja, klar, es ist logisch! Mein Vermieter ist seit genau 2 Monaten mein Vermieter, weil er die Räume von meinem Vormieter kaufte. Und als er sich als neuer Eigentümer im Dezember bei mir vorstellte, nannte er nur seinen und seinen Beruf: Investor. Hört sich das an wie Gewinnmaximierung, wie Kapitalismus, wie Geld machen ohne Grenzen?

Ich komme da einfach nicht mit. Habe hin und her überlegt, was das nun alles für mich bedeutet. Eins steht fest: Ich werde nicht dazu beitragen, die Gewinne meines Vermieters zu maximieren. Ich kann ihm eine Menge bieten: regelmäßige und pünktliche Mietzahlungen, sorgsamer Umgang mit seinem Eigentum, ein sehr nettes Verhältnis mit den Nachbarn … . Was ich ihm nicht bieten kann, ist, mich mit gutem Gewissen und allen Kräften einzusetzen für Geld, das er nicht wirklich braucht.

Deshalb werden sich unsere Wege trennen.
Mit dem Staat, meiner Heimat, ist das nicht ganz so einfach.

6
Februar

Heimatgedanken

Ich war am Wochenende in meiner alten Heimat. Blauer Himmel und Sonne, die vertrauten ausgetretenen Stufen hinauf zum alten Schloss, bunte Erinnerungen an die Schulzeit, Lächeln im Gesicht, Wonnewohlgefühl. Was macht Heimat zur Heimat?

Neulich erst hat mir ein alter Freund erzählt, dass er schon über 30 Jahre in Braunschweig wohnt, aber die Stadt nicht seine Heimat geworden ist. Heimat ist für ihn der Ort, an dem er geboren wurde. Den musste er als Siebenjähriger verlassen – ein kleines Dorf in Ostpreußen …

Als ich Sonntagabend wieder in Mainz eintrudel, ist mir klar: Hier ist meine Heimat! Es ist nicht der Ort, an dem ich geboren wurde, auch wenn mir dort so vieles vertraut und lieb ist. Aber mein Herz, das schlägt für Mainz. Für das, was die Stadt ausmacht. Für die Sprache, die Tradition, die Geschichte. Für die Macken, das ungeschminkte Leben, die Diskussionen, die Streifzüge. Kult-Bands, die nur in Rheinhessen einen Namen haben, Witze über Wiesbaden und Finthen. Die Gerüche am Markt Samstag Morgen. Der Klang der Wellen, wenn die Schiffe auf dem Rhein vorbeiziehen. Die Neustadt, die Oberstadt.

Heimat? Das ist der Ort, auf den ich mich ganz und gar einlasse, in den ich mich ganz und gar investiere.

Es ist Winter. Ich wunder mich. Über das Wetter. Oder eher über das, was daraus gerade gemacht wird. Das Wetter muss ja für viel herhalten:

– für Smalltalk
– für schlechte Laune
– für gute Laune
– für kalte Füße

Jetzt gerade wird es eingesetzt, um ein bisschen Panik zu machen. Da erzählt uns der Wettermann schon letzte Woche im Fernsehen, dass in dieser Woche sibirische Kälte in Deutschland einzieht. Die Zeitung veröffentlicht schon mal für alle Fälle Fotos von frierenden Obdachlosen. Der Radio-Moderator erklärt, der Höhepunkt der Kälteperiode sei noch längst nicht erreicht.
Wohlgemerkt: Wir sprechen gerade von Temperaturen, die bis etwa minus 12 Grad gehen. Eiszeit? Eskimos? Sibirien? Als ob der deutsche Winter nicht auch mal unter 0 Grad gehen darf! Er darf! Er schenkt uns dafür Sonne am Tag (hervorragend für gute Laune und Vitamin D) und gemütliche Stunden am Abend (Tee mit Schuss, Kuschelsofa, gutes Buch). Und wenn ich an Sibirien denke, dann fällt mir sofort ein, dass dort alle warme Mützen tragen und morgens lieber etwas Warmes zum Frühstück essen – denn dann sind sie gewappnet.

Also: Raus in die Sonne, Mütze und lange Unterhose an, hinterher einen heißen Kakao und ein gutes Gespräch über das WinterWunderWetter!